Hohenpeißenberg soll an die Peißenberger Kläranlage angeschlossen werden

Hohenpeißenberg soll an die Peißenberger Kläranlage angeschlossen werden

Eine richtungsweisende Grundsatzentscheidung haben die Gemeinden Peißenberg und Hohenpeißenberg jüngst getroffen: Hohenpeißenberg soll an die Peißenberger Kläranlage angeschlossen werden. Diese Entscheidung wird von allen Seiten begrüßt.

„Wir berichten heute über die Entscheidung, der Gemeinden Hohenpeißenberg und Peißenberg, des Verwaltungsrates der Gemeindewerke zum Anschluss Hohenpeißenbergs an die Kläranlage Peißenberg“, sagte die Vorständin der Gemeindewerke Peißenberg, Ingrid Haberl, beim Pressetermin auf dem Gelände der Kläranlage Peißenberg, bei dem die geplante Zusammenarbeit der beiden Kommunen in Sachen „Abwasser“ bekannt gegeben wurde.

Die Idee sei vor etwa zwei Jahren entstanden, nachdem klar war, dass Hohenpeißenberg sein Abwasser auf lange Sicht nicht weiter in den Eierbach leiten können wird. In den vergangenen zwei Jahren wurden viele Untersuchungen gemacht, viele Behörden zurate gezogen, viele Sachverständige gehört und alle seien zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei diesem Anschluss um eine klassische WinWin-Situation handele, sagte der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch, der wie sein Peißenberger Kollege, Frank Zellner und der Leiter der Peißenberger Kläranlage, Stefan Sedlmeier zum Pressetermin gekommen war. In den vergangenen Wochen haben sich nun auch die jeweiligen Gemeinderäte mit dem Thema befasst. Und auch von deren Seite gab es bislang einstimmige Voten für den Anschluss der Gemeinde Hohenpeißenberg an die Kläranlage Peißenberg.

Hohenpeißenberg besitzt eine eigene Kläranlage, die auch künftig erhalten bleiben soll, um die groben Sachen aus dem Abwasser zu filtern. Bislang wird das geklärte Wasser in den Eierbach geleitet. Weil sich die wasserrechtlichen Bestimmungen und das ökologische Verständnis geändert haben, hat das Wasserwirtschaftsamt vor ein paar Jahren Alarm geschlagen und darauf gepocht, dass sich Hohenpeißenberg eine andere Lösung für das Abwasser sucht. Der Bach führt selber zu wenig Wasser als dass er das Gewässer bleiben könnte, in das die Kläranlage das gesamte Abwasser einleitet. „Sie haben unseren Vorfluter nicht mehr genehmigt“, sagte Dorsch.

Eine andere Lösung musste gefunden werden. Zunächst war geplant, einen Kanal zur Ammer zu bauen, um dort das aus der Kläranlage kommende Hohenpeißenberger Abwasser einzuleiten. Doch diese Lösung stellte sich als kompliziert heraus. Mit einem Kanal wäre es nicht getan gewesen, die Gemeinde hätte eine Versickerungsanlage bauen müssen. Zudem wäre es nötig gewesen, die Kläranlage, die aus den 80er Jahren stammt, zu erneuern. Es wäre nach den ersten Untersuchungen Kosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro auf die Gemeinde Hohenpeißenberg zugekommen, um die Kläranlage erstmal weiter betreiben zu dürfen, erläuterte Dorsch bei dem Pressegespräch: Diese Lösung wäre aber nicht zukunftssicher gewesen.“

„Da ist die Idee entstanden, ob nicht eine Zusammenarbeit mit Peißenberg sinnvoller wäre“, so Dorsch. Auch auf Seiten der Marktgemeinde seien die Verantwortlichen offen für diesen Weg gewesen. Nach ersten Untersuchungen kostet der Anschluss an die Kläranlage Peißenberg ebenfalls rund 2,5 Millionen Euro, wobei diese Lösung wohl mit 600.000 Euro gefördert wird.

Die Bürger in Hohenpeißenberg hätten also ohnehin mehr fürs Abwasser zahlen müssen, weil auf jeden Fall Investitionen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro nötig sind – ob Hohenpeißenberg jetzt in Sachen „Kläranlage“ eigenständig bleibt oder mit Peißenberg zusammenarbeitet. Für die Peißenberger wirke sich die Kooperation beim Abwasser, wenn überhaupt, dann positiv auf die Gebühren aus, weil die Betriebskosten auf mehr Schultern verteilt würden, hieß es bei dem Pressegespräch. Als ein „Glücksfall für beide Kommunen“ sei die Zusammenarbeit im Hohenpeißenberger Gemeinderat bezeichnet worden, sagte Dorsch.

Ob der Anschluss der Kläranlage Hohenpeißenbergs an Peißenberg überhaupt möglich ist, wird sich nun herausstellen. Es könne immer sein, dass bei genauerer Untersuchung klar werde, dass es unüberwindbare Probleme gebe, sagte Dorsch. Auf beide Kommunen, insbesondere aber auf die Gemeinde Hohenpeißenberg kämen jetzt große Aufgaben zu: Es müsse ein sauberer Vertrag ausgehandelt, mit Grundstückseigentümern verhandelt und ein Kanal geplant werden. Bis es so weit sei, dass das erste Hohenpeißenberger Abwasser in Peißenberg geklärt werde, könne es noch Jahre dauern. „Beide Seiten haben ,Ja’ gesagt, aber wir sind erst am Startpunkt der Zusammenarbeit“, sagte Dorsch.

In Peißenberg hat man nicht lange überlegt, ob man die Nachbargemeinde Hohenpeißenberg an die im Ammerweg im Ortsteil Scheithauf gelegene Kläranlage anschließen lässt. Sowohl im Verwaltungsrat der Gemeindewerke als auch im Marktrat wurde schnell grünes Licht gegeben, als klar war, dass die Kläranlage über die entsprechenden Aufnahmekapazitäten verfügt. Durch den Hohenpeißenberger Anschluss, so hieß es beim Pressegespräch, werde in Peißenberg die städtebauliche Entwicklung für mögliche Wohnbau- und Gewerbe-projekte keineswegs ausgebremst. „Es gibt keine Beschränkung für ein Wachstum“, versicherte Frank Zellner. Der Gemeinderat habe die Pläne „sehr positiv aufgenommen“ und schnell den „Benefit für den Bürger“ erkannt.

Stefan Sedlmeier betonte, dass die 2007 umgebaute Kläranlage damals nicht etwa luxussaniert und zu groß dimensioniert worden sei. Der behördliche Bemessungsmaßstab für Kläranlagen habe sich nur geändert – mit der Folge, dass die Reservekapazitäten des Peißenberger Klärwerks weitaus höher liegen: „Wir können Hohenpeißenberg locker mitübernehmen“, so Sedlmeier – und: „Wir sind eine der besten Kläranlagen in der Region.“ Soll heißen: Die Qualität der Klärung für das Hohenpeißenberger Abwasser wird sich verbessern. „Das Ganze hat also auch einen riesigen Umweltaspekt“, so Sedlmeier.

Und die Gemeindewerke können ihre Kläranlage laut Ingrid Haberl jetzt „noch wirtschaftlicher und effizienter betreiben“: „Wir werden die gleichen Betriebskosten haben, aber wir schleusen höhere Mengen durch. Die Gebühr für die Peißenberger Gebührenzahler wird pro Kubikmeter sinken. “Um den Anschluss an die Kläranlage zu bewerkstelligen, muss eine Kanalleitung den Hohen Peißenberg hinunter  verlegt werden – und zwar überwiegend entlang von bestehenden Forstwegen südlich von Hohenwart. Der Übergabepunkt soll ungefähr im Bereich des Peißenberger Ortsteils „Obere Au“ liegen. „Wir holen das Abwasser nicht, die Hohenpeißenberger bringen es“, erklärte Haberls beim Pressegespräch schmunzelnd.

Bericht: Kathrin Hauser, Bernhard Jepsen
Presse: Weilheimer Tagblatt

Mit einem symbolischen Knopfdruck auf dem Gelände der Kläranlage Peißenberg haben (von links) Stefan Sedlmeier, Thomas Dorsch, Frank Zellner und Ingrid Haberl ihre Zusammenarbeit begonnen.

Die Kläranlage Peißenberg hat ihr nächstes Zeichen gesetzt

Die Kläranlage Peißenberg hat ihr nächstes Zeichen gesetzt

In der Kläranlage wird das Ziel verfolgt, jede Energie, die zum Betrieb notwendig ist, selbst zu erzeugen.

In Bezug auf die Wärmeversorgung ist das Ziel der sogenannten Autarkie bereits seit 2007 erreicht worden. Seitdem werden keinerlei externe Brennstoffe mehr benötigt, um den großen Wärmebedarf der Anlage zu decken.

Der benötigte Strom für die Kläranlage wird zu 45 % aus eigener Erzeugung generiert. Um diese Erzeugungsquote noch zu steigern, werden mittlerweile „abwasserähnliche Inhaltsstoffe“ aus einer Molkerei zur Energieerzeugung angenommen. Durch diese sogenannte Co-Vergärung kann zusätzlich ein weiterer Anteil an Strom und Wärme erzeugt werden. Die dadurch produzierte Wärme wird auch für ein angrenzendes Wohnhaus genutzt, um dieses mit sogenannter „Nahwärme“ zu versorgen. Mit diesem Schritt konnte die Eigenstromerzeugung noch einmal um ca. 10 -15 % gesteigert werden.

Zum größten Stromfresser einer Abwasserreinigungsanlage gehört die Drucklufterzeugung, die benötigt wird, um den Mikroorganismen in den Belebungsbecken Luft für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Hierzu müssen große Mengen Luft in die Belebungsbecken in ca. 5 Meter Wassertiefe eingepresst werden.

Um gerade in diesem Bereich Stromeinsparungen zu erzielen, wird aktuell auf ein sehr energieeffizientes Rühr- und Belüftungssystem in den Becken umgestellt. Nach dem Leeren der Becken werden die 13 Jahre alten Rühr- und Belüftungssysteme ausgebaut, stofflich getrennt und verschrottet. Im nächsten Schritt werden die neuen Belüftermatten eingebaut und effizientere Rührwerke montiert.

Während des Umbaus müssen alle gesetzlich vorgeschriebenen Parameter zum Einleiten von gereinigtem Abwasser in die Ammer eingehalten werden.
Die Arbeiten für die Modernisierung sind Mitte Mai gestartet und sollen Ende Juli abgeschlossen sein. Sämtliche Reinigungs- und Demontagearbeiten werden vom Betriebspersonal der Kläranlage in Eigenleistung ausgeführt, wodurch einige Kosten eingespart werden konnten.

Ein Dank gilt auch dem Bauhof vom Markt Peißenberg, der durch die Leihgabe des Kran-Lkws inkl. Mitarbeiter und dem Radlader beim Demontieren der Rührwerke eine große Unterstützung war.

– Demontage des Rückwerks im Klärbecken durch die Mitarbeiter vom Bauhof Markt Peißenberg.
– Reinigung und Demontage der bisherigen Drucklufterzeugungsplatten.
– Die neuen Drucklufterzeugungsplatten des Rückwerks im 5 Meter tiefen Klärbecken.

Medikamente im Abwassernetz

Medikamente im Abwassernetz

Häufig werden abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamentenreste über Toilette und Ausguss entsorgt, obwohl die Entsorgung über das Abwassersystem verboten ist.

In der Kläranlage können diese Stoffe nicht oder nur teilweise abgebaut werden. Somit gelangen diese Stoffe in die Ammer, wo sie Lebewesen wie Fische und Mikroorganismen beeinflussen oder sogar dauerhaft schädigen. Um die Gewässer und deren Lebewesen sowie unsere Umwelt zu schützen, müssen Medikamente (Tabletten in ihren Blistern, ebenso Cremes und  flüssige Arzneimittel in der Flasche oder Ampullen) gesondert entsorgt werden.

Wo können Medikamentenreste KOSTENLOS entsorgt werden?

  • Wertstoffhof Peißenberg: Anlieferung zu den Öffnungszeiten
  • Giftmobil (wenn vor Ort in Peißenberg)
  • Apotheken in Peißenberg:
    Bahnhof-Apotheke, Hauptstraße 91
    Sonnen-Apotheke, Sonnenstraße 30
    St. Ulrich Apotheke, Hauptstraße 116

Die Apotheken sind nicht verpflichtet Medikamente zurückzunehmen, aber als Serviceleistung werden die Altmedikamente gerne angenommen. Bitte diese nur in Kleinmengen bei den Apotheken abgeben.

Nicht im Restmüll entsorgen
Unser Restmüll im Landkreis Weilheim-Schongau wird nach Sortierung deponiert und nicht verbrannt. Das daraus entstehende Sickerwasser wird in die Kläranlage eingeleitet, d. h. auch die Restmülltonne ist keine Alternative für die Entsorgung.

Arzneimittel dürfen nicht an Bedürftige gespendet werden.

Für weitere Informationen besuchen Sie die Webseite www.arzneimittelentsorgung.de.

Viele Einwohner in Peißenberg wissen nicht, wie sie ihre Medikamente entsorgen sollen und kippen diese dann einfach in die Toilette, in den Ausguss oder in die Restmülltone. Doch das ist verboten!

Regenüberlaufbecken – Was steckt dahinter?

Regenüberlaufbecken – Was steckt dahinter?

Die Gemeindewerke Peißenberg KU betreiben insgesamt drei Regenüberlaufbecken (RÜB‘s) im Ortsgebiet: Das RÜB 1 bei der Kläranlage mit 2.000 m³ Volumen, das RÜB 2 an der Bachstraße mit 450 m³ und das RÜB 5 am Ortsende Richtung Oderding mit 1.400 m³ Volumen.

Im Zusammenhang mit der Hochwassersituation in der Bachstraße wird auch immer wieder das RÜB 2 angesprochen. Zur Historie dieses Beckens: An dieser Stelle war schon seit Bau der Kanalisation ein sogenannter Regenüberlauf (RÜ) ohne Speichervolumen. Dieser war ein Entlastungsbauwerk, das bei jedem etwas stärkeren Regen Abwasser in den Wörthersbach ungereinigt abgeschlagen hat. Durch diese sehr häufigen Entlastungen wurde vom Gesetzgeber gefordert, an dieser Stelle ein RÜB zu bauen. Seit 2010 ist dieses modernst ausgestattete Becken in Betrieb.

Warum braucht man ein Regenüberlaufbecken?
Ein Regenüberlaufbecken ist ein sog. Entlastungsbauwerk für die Mischwasserkanalisation und ist vor allem bei Starkregen eine wichtige Hilfe. In der Kläranlage können an einem Tag nur gewisse Wassermengen gereinigt werden, was obendrein noch durch gesetzliche Vorgaben geregelt ist. Würde es keine Regenüberlaufbecken geben, müssten die überschüssigen Wassermengen ungereinigt in die öffentlichen Gewässer abgeschlagen werden. Deshalb werden im Kanalsystem RÜB’s eingebaut, die das Wasser vor dem Einleiten in die Bäche mechanisch reinigen.

Wie funktioniert ein Regenüberlaufbecken?
Der erste starkverschmutzte Spülstoß wird in den Becken aufgefangen und zwischengespeichert. Nach Ende der Regenschauer wird das aufgefangene Niederschlagswasser kontrolliert zur Kläranlage für die Reinigung abgeleitet.

Hält ein Regenschauer über einen längeren Zeitraum an, werden Schmutzstoffe wie Müll oder Fäkalien in den Becken weiterhin durch Absetzen zurückgehalten. Das restliche stark verdünnte Abwasser wird durch eine Feinsiebrechenanlage – deren Langlöcher eine sog. Spaltweite von 5 mm x 25 mm messen– geleitet. Hierbei wird das Abwasser weiter von kleineren schwebenden Verschmutzungen befreit. Erst nach diesem Vorgang wird es in den Bach weitergegeben. Um die Durchlassfähigkeit des Rechensiebs zu gewährleisten, laufen während des Prozesses dauerhaft zwei Reinigungsbürsten, die die am Rechen zurückgehaltenen Verschmutzungen zurück ins RÜB geben.

Wie sieht ein Regenüberlaufbecken von innen aus?
Mit den beigefügten Fotos möchten wir auch einen optischen Eindruck von den Regenüberlaufanlagen vermitteln.

Das RÜB 2 mit einem Rohrdurchmesser von 2,3 Meter. Das Foto ist bei Trockenwetter entstanden und zeigt die reine Menge des Abwassers, welches durch das Becken läuft. Bei Regenwetter bleibt diese gleich! Das restliche Volumen steht für das Regenwasser zur Verfügung. Hiermit erklärt sich auch, dass das Abwasser extrem stark verdünnt wird, bevor es durch die Rechenanlage in den Bach ausgeleitet wird.