Die Marktgemeinde Peißenberg wurde beim Bundeswettbewerb ‚Klimaaktive Kommune 2021‘ für ihr Projekt zur Weiterentwicklung der Kläranlage ausgezeichnet. Die bisher umgesetzten Maßnahmen dienen dazu, den Energieverbrauch der Anlage zu reduzieren und gleichzeitig Energie aus den vorhandenen Prozessen zu gewinnen.
Die Kläranlage erzeugt bereits mehr als 70 % ihres benötigten Stroms und 100 % der benötigten Wärme selbst. Durch die Nutzung des bei der Klärschlammfaulung entstehenden Biogases im Blockheizkraftwerk können Strom und Wärme erzeugt werden. Zusätzlich wird unter anderem Abwärme genutzt, um den Energieeinsatz der Anlage weiter zu reduzieren.
Nach den Projektangaben führen die bisher umgesetzten Maßnahmen zu einer CO₂-Einsparung von mehr als 180 Tonnen pro Jahr. Weitere Maßnahmen sollen den Anteil der selbst erzeugten Energie weiter erhöhen
Kooperationspartner sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Der Gewinn ist mit 25.000 Euro Preisgeld dotiert, das wieder in Klimaprojekte zu investieren ist. Bürgermeister Frank Zellner freute sich sehr über die Auszeichnung und kündigte an, wie das Preisgeld genutzt werden soll: „Wir werden mit dem Preisgeld ein neu zu errichtendes Heizhaus teilfinanzieren. Dieses Heizhaus wird in Zukunft ein Neubaugebiet mit 150 Wohneinheiten durch 100 % erneuerbare Wärme versorgen. Der Betriebsstrom für diese Anlage wird mit einer Photovoltaikanlage unterstützt. Zusätzlich soll auch noch ein Akku in die Anlage integriert werden. Dieser könnte dann den Eigenverbrauchsgrad des Photovoltaikstroms steigern.“
Die Marktgemeinde zeigt mit ihrem Projekt „Energieautarke Kläranlage“, welche enormen Energieeinsparpotenziale in Klärwerken bestehen und wie sie genutzt werden können. Die bisher umgesetzten Maßnahmen führen nach den Projektangaben zu einer CO₂-Einsparung von mehr als 180 Tonnen pro Jahr.
Bereits 2007 hat sich die Gemeinde das Ziel gesetzt, ihre 1972 erbaute Kläranlage energieautark zu betreiben, das heißt, die Abwässer mit geringem Energieaufwand zu klären und die Anlage selbst zur Erzeugung von Energie zu nutzen. SSeitdem wurden kontinuierlich Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs und zur eigenen Energieerzeugung umgesetzt. So wurde die Anlage durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) erweitert, das aus dem bei der Klärschlammfaulung entstehenden Biogas Energie gewinnt. Mit der Abwärme des BHKW wird ein nahgelegenes Mehrfamilienhaus mitversorgt und mit dem Strom das Elektro-Dienstfahrzeug der Kläranlage über eine Wallbox aufgeladen.
Neben dieser Form der Energiegewinnung, die in Deutschland inzwischen Standard ist, überzeugen die Peißenberger jedoch insbesondere mit der Umsetzung von vielen innovativen Ideen, die erheblich zum Klimaschutz beitragen. Zur Beheizung eines Werkstatt- und Chemikaliengebäudes wird zum Beispiel die Abwärme von Drehkolbenkompressoren genutzt, wodurch eine Ölheizung ersetzt werden konnte. Auch für die Kompressoren selbst, die Druckluft für die Belebungsbecken erzeugen und die größten Energieverbraucher einer Kläranlage sind, hat sich die Gemeinde etwas einfallen lassen. Um ihren Energieverbrauch zu minimieren, wird die Zuluft über einen unterirdischen Erdkanal vorgekühlt. Zusammen mit der Abwärme-Nutzung und dem Einsatz eines hocheffektiven Rühr- und Belüftungssystems, das alleine 25 % Energie einspart, wodurch der Energieverbrauch des Systems um rund 25 % reduziert werden konnte.
Ein weiterer Punkt, um die Energieausbeute im Peißenberger Klärwerk zu erhöhen, ist das Thema Co-Vergärung. Dabei werden den Fäkalien Bio-Abfallprodukte beigemischt, zum Beispiel Fette aus Fettabscheidern oder der Ausstoß aus einer Molkerei. Für die Mikroorganismen, die das wertvolle Methangas erzeugen, sind diese „Abfälle“ eine zusätzliche Nahrungsquelle. Dadurch steigert sich die Gasproduktion und es können mehr Strom und Wärme erzeugt werden.
Die Peißenberger Kläranlage kann bereits über 70 % ihres Strombedarfs und 100 % ihres Wärmebedarfs mit selbst erzeugter Energie decken. Weitere Schritte sind geplant, um die Kläranlage vollständig energieautark zu betreiben.
Der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ wird seit 2009 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative ausgelobt. In diesem Jahr wurden insgesamt 81 Beiträge in vier unterschiedlichen Kategorien eingereicht. Der Markt Peißenberg hat sich mit dem Projekt „Energieautarke Kläranlage“ in der Kategorie „Ressourcen- und Energieeffizienz“ beworben. In dieser Kategorie gab es 21 Bewerbungen, aus denen drei Gewinnerprojekt ausgewählt wurden. Weitere Informationen zum Wettbewerb und zum ausgezeichneten Projekt unter: www.klimaschutz.de/wettbewerb2021
Ein Lichtblick: Der geplante Anschluss der Hohenpeißenberger Abwasserkanalisation an die Peißenberger Kläranlage könnte die Gebührensteigerung zumindest im Abwasserbereich abfedern. Die Kosten würden dadurch auf eine größere Nutzerbasis verteilt.
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