Seit Monaten steigen die Preise an der Großhandelsbörse für Strom und Erdgas. Die Preise sind seit Sommer um bis zu 400 % angestiegen. Gründe hierfür liegen zum einen in der wirtschaftlichen Erholung der Staaten nach der Corona-Krise – die starke Nachfrage treibt die Rohöl- und Gaspreise in die Höhe. Zudem hat der kalte zurückliegende Winter Lagerbestände geleert. Ein weiterer Faktor ist die CO2-Bepreisung: Für die Brennstoffe Kohle und Gas, die dazu verwendet werden, Strom zu produzieren, müssen die Energiekonzerne deutlich mehr bezahlen.
Eine problematische Ausgangssituation für Energiediscounter, die Energiemenge beschaffen und jetzt durch bestehende Fixverträge teure Energie einkaufen/nachkaufen müssen, die Mehrkosten jedoch wegen zugesagter Niedrigpreise nicht an ihre Kunden weiterverrechnen können. Bei zahlreichen Versorgungsunternehmen hat dies gar zur Insolvenz geführt: Allein im vergangenen Jahr konnten mehr als 39 Billig-Preisversorger keinen Strom bzw. kein Erdgas mehr liefern. Was das für die entsprechenden Endverbraucher bedeutet: Sie sind gezwungen, einen neuen Energieversorger zu beauftragen. Passiert dies nicht, ist der jeweils örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet, sie „aufzufangen“ und weiter mit Strom und Erdgas zu versorgen.
Somit entpuppt sich der ehemals billige Energieversorger nunmehr als Draufzahlgeschäft für Endverbraucher, wenn das regionale Energieunternehmen keine Neuverträge mehr abschließt und der Verbraucher in die Grundsicherung eingestellt wird, bevor die Strom-/Gassperre droht.
Die Gemeindewerke Peißenberg KU haben deshalb für Neukunden kurzfristig einen weiteren Tarif in beiden Sparten Strom und Erdgas eingeführt, damit die Bestandskunden vor weiteren Preissteigerungen wegen erhöhter Nachfrage durch viele Neukunden geschützt sind. Denn für eben diese Neukunden, die von anderen Wettbewerbern aus ihren Verträgen gekündigt wurden oder aufgrund von Insolvenz des Anbieters nicht mehr versorgt werden können und zu den Gemeindewerken Peißenberg wechseln, müssen zusätzliche Mengen Strom und Erdgas am Börsenmarkt sehr teuer dazu gekauft werden, sollte die im Vorjahr eingekaufte Menge nicht mehr für Bestands- und Neukunden ausreichen. Eine Zu- und Abwanderung von Kunden wird beim Einkauf zwar einkalkuliert, jedoch übersteigt die Anzahl der Neukunden aufgrund der oben beschriebenen Situation derzeit das übliche Maß bei weitem.
Manuel Schumnik, Shared-Service-Teamleiter bei den Gemeindewerken Peißenberg, erklärt:
„Seit Ende Dezember haben wir eine sehr hohe Nachfrage (ca. 15 Neukunden pro Tag) die zu uns wechseln möchten, weil Billig-Wettbewerber ihre Preise massiv erhöht bzw. Insolvenz angemeldet haben und dadurch die bestehenden Verträge der Endverbraucher nicht einhalten können. Deshalb mussten wir eigene Tarife mit marktgerechten Preisen für Neukunden einführen, damit unsere Bestandskunden vor weiteren Preiserhöhungen geschützt und nicht bestraft werden, durch Kunden, die ihren Billiganbieter verloren haben. Sollten Sie bereits Kunde bei uns sein und umziehen, können Sie Ihren bestehenden Vertrag weiterhin behalten.“
Damit bei solchen Haustürgeschäften den Kunden der Gemeindewerke Peißenberg KU keine finanziellen Nachteile entstehen, die zum Teil mehrere hundert Euro betragen können, empfehlen wir, einige Regeln zu beachten, wenn überraschend eine Werbeperson an der Haustür klingelt und „günstige“ Energie verkaufen will: