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Flucht nach vorne: Verschönerung des Ortsbildes durch Graffitikunst!

Mit Ideenreichtum und Kreativität gehen die Gemeindewerke gegen das Problem der teilweise sehr unansehnlichen, laienhaft bekritzelten oder besprühten Trafostationen in Peißenberg an, die für das Ortsbild nicht unbedingt förderlich sind.

Dafür wurden drei Möglichkeiten in Betracht gezogen. Die einfachste Möglichkeit wäre, die entsprechenden Gebäude neu zu streichen und mit einem Antihaftgrund zu versehen. Aber gerade frisch gestrichene Gebäude sind für die Sprayer wieder besonders interessant, so die Befürchtung.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Fassadenbegrünung. Diese würde, bei zugewachsenen Wänden, das Sprühen verhindern oder zumindest sehr erschweren. Leider fällt diese Möglichkeit aber aufgrund der Gegebenheiten aus: Wurzeln würden Kabel und Rohre im Erdinneren beschädigen.

Die dritte, aus Sicht der Gemeindewerke effektivste Methode,  ist nunmehr der Schutz der Trafostationen durch professionelles Graffiti. Graffiti als Graffiti-Schutz sozusagen. Das hört sich natürlich erst mal seltsam an. Aber: Ein Graffito oder eine bunte Fassade kann durchaus ein wirkungsvoller Graffiti-Schutz sein. Auf bunten Wänden sprühen Sprayer nämlich meist nicht gern, denn dort wirkt ein sogenannter “Tag“ (territoriale Markierung) weit weniger eindrucksvoll als auf einer weißen oder einfarbigen Oberfläche. Ähnliches gilt für Wände, die mit schönen Graffiti von Profi-Künstlern besprüht sind. Denn vor diesen haben andere Sprayer oft Respekt und wollen das Werk nicht durch die eigene Arbeit “verunstalten”.

Geplant ist, auch in Absprache mit dem Markt Peißenberg, zunächst 13 Trafo- und Pumpstationen mit unterschiedlichen Motiven gestalten zu lassen. Gewünscht ist ein Bezug zur Gemeinde Peißenberg oder zu den Gemeindewerken sowie zu den Themen sauberer Strom, sauberes Wasser, Natur und Fantasie. In einem Fall wird auch die dreidimensionale Illusion eines offenen Trafohauses geschaffen werden.

11 dieser 13 Stationen wird der Graffiti-Künstler Patrick Bastian aus Augsburg gestalten,  Uli Mansfeld, der bei den Gemeindewerken Peißenberg  für das Engagement-Projekt  „www.gwp-ichbindabei.de“ zuständig ist, hat den Künstler bei seiner  Recherche im Internet entdeckt.  Drei weitere Stationen wollen die Gemeindewerke, wenn es die Corona-Situation wieder zulässt, als Jugendprojekte organisieren. Hierbei sollen Jugendliche unter Anleitung „ihre“ Stationen weitgehend selbst gestalten und besprühen können.

Patrick Bastian (l.) und Ulrich Mansfeld zeigen die erste gesprühte Station in der Wilhelm-Röntgen-Straße in Peißenberg.

Der Künstler - Patrick Bastian

Dass er Maler, Grafikdesigner oder Künstler werden will – vielleicht sogar werden muss –, das wusste Patrick Bastian schon immer: „Seit ich einen Stift halten konnte, habe ich gemalt.“ Auch das nötige Talent  habe er mitgebracht. „Es war eigentlich klar, es geht in Richtung Kunst für mich.“ Dennoch hat er seinen Beruf nie im klassischen Sinne gelernt.

Als er sich damals nach dem Quali für eine Ausbildung im künstlerischen Bereich bewarb, bekam er nämlich nur Absagen: „Die wollten alle einen Azubi mit Mittlerer Reife“, sagt Bastian, der mit Künstlernamen „Lachs“ heißt. Also wurde er erst Landschaftsgärtner. Das ging auch mit Mittelschulabschluss. „Danach hatte ich die Schnauze voll. Ich dachte mir, ich versuche es einfach“, erzählt der 33-Jährige. Im Jahr 2010 habe er den Schritt in ein Leben als freischaffender Künstler gewagt. Seitdem gestaltet er Räume, Objekte, Fahrzeuge und Leinwände, Fassaden, Wände und – wie in Peißenberg – ganze Gebäude. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, alle Motive möglich.

Bastian malt Comics und Bilder so realistisch, als seien sie Fotos. Inzwischen hat er sich besonders der Illusionsmalerei zugewendet, die insbesondere aus der Decken- und Fassadenmalerei des Barocks bekannt ist. Dabei wird der Raum illusorisch erweitert. Die Gemälde werden zum großen Teil gesprayt, dennoch sei Graffiti nicht die richtige Bezeichnung für seine Kunst, sagt Bastian: „Graffiti findet illegal statt.“ Künstler wie er, die vom Sprayen leben, seien aber legal unterwegs. „Von Graffiti ist bloß noch die Spraydose übrig.“ Was er unter anderem in Peißenberg bei den Wandgemälden gemacht habe, sei wie Lüftlmalerei – moderne Lüftlmalerei.

„Am Anfang war es ein steiniger Weg“, sagt Bastian über den Beginn seiner Selbständigkeit. Als Autodidakt und freischaffender Art-Design-Künstler habe er nur wenige Aufträge bekommen. In manchen Jahren sei er gerade so über die Runden gekommen. Dennoch habe er nie bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben: „Es war die richtige Entscheidung. Wenn es läuft, bin ich der glücklichste Mensch.“ Er sei sein eigener Chef, könne sich in seiner Kunst verwirklichen und die Arbeit mache ihm Freude – wenn er auch immer wieder an seinem eigenen Anspruch leidet: „Ich bin Perfektionist und sehr selten zufrieden mit meiner Arbeit.“ Das sei einerseits ein Fluch, weil er eigentlich immer länger für ein Gemälde benötige, als er veranschlagt habe, andererseits ein Segen, weil er so nie aufhöre, dazuzulernen und noch besser zu werden. „Die Selbstkritik bringt einen weiter, sie sorgt aber auch dafür, dass man sich nie so richtig an seiner Arbeit erfreuen kann.“ Seinem Perfektionismus habe er es allerdings auch irgendwie zu verdanken, dass er den Auftrag der Peißenberger Gemeindewerke erhielt, die zehn Trafohäuschen zu gestalten.

Ulrich Mansfeld, der bei den Gemeindewerken arbeitet, sei eine von ihm gesprayte Wand in Augsburg aufgefallen und als das Peißenberger Kommunalunternehmen einen Künstler gesucht habe, hätten man ihn ausfindig gemacht und ihm schließlich den Auftrag erteilt. Die Arbeit in Peißenberg hat Bastian ein gutes Jahr beschert. Weil es ein großer Auftrag war und die Zusammenarbeit mit den Gemeindewerken so gut lief: „Die haben mir nie Druck gemacht, sondern gesagt, es ist fertig, wenn es fertig ist.“ Genug Zeit zu haben, sei für ihn als Künstler total wichtig. „Das ist befreiend und super für die Arbeit“, sagt Bastian: „Zeitdruck ist Gift für die Kunst.“ Offensichtlich hat es sich gelohnt, dem Augsburger die Zeit zu geben, die er für die Gestaltung der zehn Trafohäuschen benötigte: Es sind Kunstwerke geworden, für die Bastian schon viel Lob und Dank geerntet hat. „Das war derart positiv, das hätte ich nicht gedacht.“ Es sei schon im Sommer damit losgegangen, dass ihn viele Peißenberger angesprochen und seine Arbeit gelobt haben, wenn er an irgendeiner Straße stand und Trafohäuschen bemalte. „Leute haben mir zu Trinken gebracht, als es heiß war. Ich bin total begeistert von Peißenberg und den Peißenbergern“, sagt der Künstler.

Seine Gemälde in der Marktgemeinde gefallen wohl auch den Betrachtern, denn es haben sich schon einige Folgeaufträge ergeben, wie Bastian erzählt. Firmen wie Privatleute hätten ihm Aufträge erteilt. So dass er auch in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder in der Marktgemeinde sein und arbeiten wird. „Dass es so viel Bestätigung gab, freut mich“, sagt der Künstler: „Schließlich sehen die Leute die Bilder über Jahre. Es ist so eine Art Freiluftgalerie.“

Bericht: Weilheimer Tagblatt
Redaktion: Kathrin Hauser